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Frauen an der Macht? - Die Wahrheit schmerzt

Klartext Online | 15.06.2010
Berlin/Genf, 15. Juni 2010 - Frauen an die Macht! Ein plakativer Ausspruch. Doch wie ist es in der Realität bestellt? In der Politik macht es uns Angela Merkel vor, und mit Ursula von der Leyen als Bundespräsidentin hätten wir fast eine weibliche Doppelspitze gehabt. Auch in der Wirtschaft werden Frauen in naher Zukunft maßgeblich die globalen Geschicke bestimmen. Das nennt man female shift. Doch seien wir, was höchste Positionen in der Wirtschaft angeht, in Deutschland noch meilenweit von einer gerechten Verteilung entfernt, so ein Bericht der Psychologie Heute http://www.psychologie-heute.de. Demnach säßen lediglich drei Prozent Frauen in den Vorständen der börsennotierten Unternehmen.



Der Global Gender Gap Report 2009 ist ein vom Weltwirtschaftsforum http://www.weforum.org erstellter Bericht, der die Gleichstellung der Geschlechter mit Hilfe eines Index analysiert. Ein Wert von 1 würde dabei vollständige Gleichstellung bedeuten. Auf Platz Eins der 134 untersuchten Länder landet Island mit einem Wert von 0,82. Deutschland erreicht mit 0,74 Platz 12, die Schlusslichter bilden Pakistan, Tschad und der Jemen mit durchschnittlich 0,5. Der Index-Wert berücksichtigt die relative Benachteiligung der Frauen in den Bereichen Wirtschaft, Bildung, Politik und Gesundheit. Besonders in der Politik sind Frauen weltweit nach wie vor massiv unterrepräsentiert. Die größten Fortschritte haben in diesem Bereich die Staaten der EU gemacht, während besonders in der arabischen Welt Frauen nur schwer eine Chance auf politische und demokratische Einflussnahme ausüben können.



Laut Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend http://www.bmfsfj.de gelänge es Frauen dabei eher, in kleinen und mittleren Unternehmen Führungspositionen einzunehmen. In Großkonzernen hingegen seien Vorstände und Aufsichtsräte fast ausschließlich männlich. Zu den Gründen zählten unter anderem das fehlende Angebot an Kinderbetreuung und die traditionell-rollenspezifische Einstellung im Hinblick auf das beruflich-fachliche Potential von Frauen allgemein. Hier liegt also der größte Umbruch hoffentlich noch vor uns. Frauen werden genau wie Männer wichtige Entscheidungen zum Guten wie zum Schlechten treffen. So lautet ein berühmtes Zitat von Alice Schwarzer: „Frauen sind nicht etwa die besseren Menschen, sie hatten bisher nur noch nicht soviel Gelegenheit, sich die Hände schmutzig zu machen.“



Doch zumindest im Konsumentenverhalten ist der female shift klarer Megatrend. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung http://www.faz.net schreibt überspitzt: „Seitdem man entdeckt hat, dass Bücher hauptsächlich von Frauen gekauft werden, dass sie die Einschaltquote im Fernsehen bestimmen und die Auflage von Zeitschriften und Zeitungen in die Höhe treiben, ist der Terror der Gefühligkeit ausgebrochen.“



Und indem Frauen mit dem Portemonnaie abstimmen können, verfügen sie über eine Form politischer Macht, die sich auch wirtschaftlich auswirken wird, so die Expertin Monique Siegel im Bericht der Psychologie Heute. Frauen seien dabei für die moralischen Fragen ein bisschen sensibilisierter als die Männer. Für die Zukunft bedeute dies, dass sie sich zweimal überlegten, „ob wir einen Joghurt kaufen, der in Finnland hergestellt ist und hunderte Kilometer per Lastwaagen zu uns über die Landstraßen rollt. Wir zögern beim Fleischkauf aus dem Supermarkt, weil wir an die Tiertransporte denken“, so Siegel. Neben female shift seien demnach Neoökologie und Gesundheit weitere Megatrends der Zukunft.



Die Industrie reagiert auf die wachsende Mündigkeit der Verbraucher, beispielsweise der Technologiehersteller Bizerba aus Balingen. Er produziert moderne PC-Waagen, mit deren Hilfe Mitarbeiter an der Frischetheke per Knopfdruck Informationen zu den Produkten aufrufen können. „Mit diesem aktiven Kommunikationsangebot wird der Service auf ein neues Niveau gehoben, welches der wachsenden Mündigkeit der Verbraucher gerecht wird. Wiegt die Verkäuferin beispielsweise einen Schweinebraten ab, kann sie zeitgleich Informationen über dessen Herkunft und Inhaltsstoffe kommunizieren“, erklärt Claudia Gross, Director Global Marketing and Communication bei Bizerba. Auch beim Technikdesign seien Männer längst nicht mehr das Maß aller Dinge, so Welt Online. Noch nie habe die Industrie so sehr um die Damenwelt gebuhlt. Ob bei Handys, Notebooks oder Spielkonsolen – knallige Farben, weiche Formen und neuen Materialien sollen Kundinnen locken. Auch die Handyhersteller haben junge Frauen als Zielgruppe entdeckt und produzieren so genannte „Fashion-Phones“, die als Mode-Accessoires daherkommen.





Quellen:



http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/gleichstellung,did=88098.html



http://www.weforum.org/pdf/gendergap/report2009.pdf



http://www.faz.net/s/Rub1DA1FB848C1E44858CB87A0FE6AD1B68/Doc~E7CFE60C989EA4665946C028C67218D9C~ATpl~Ecommon~Scontent.html



http://www.welt.de/lifestyle/article1094244/Wie_die_Industrie_die_Frauen_verfuehrt.html





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