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Rücksendegebühren: Eine kurzfristige Lösung für ein komplexes Problem

Große Bekleidungsmarken führen Gebühren für Online-Rücksendungen ein, um durch Retouren verursachtes, finanzielles Loch zu schließen.
Riskified | 18.07.2023
Rücksendegebühren: Eine kurzfristige Lösung für ein komplexes Problem © freepik/ alpakavideo
 

Bei der aktuellen wirtschaftlichen Lage, die unter anderem von schrumpfenden Gewinnmargen geprägt ist, haben namhafte Modeunternehmen wie Zara und Boohoo jüngst Online-Rücksendegebühren eingeführt. Das Ziel der Maßnahme ist zum einen Nachhaltigkeit, und zum anderen die entstehende Rentabilitätslücke infolge der steigenden Anzahl von Rücksendungen zu schließen. Auf den ersten Blick erscheint dies sinnvoll. Die Abwicklung und Retournierung verursachen oft höhere Kosten als die eigentliche Rückgabe und Erstattung für den Kunden.

Dabei darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass es bereits Kunden gibt, die die Richtlinien der Onlineshops bereits erfolgreich missbrauchen, indem sie betrügerische Rücksendeansprüche geltend machen. Dies reicht von zurückgegebenen Artikeln, die bereits getragen wurden, bis hin zu Kisten voller Steine anstelle der bestellten Ware. Nicht zuletzt deshalb erscheint das Erheben von Rücksendegebühren auf den ersten Blick als schnelle Lösung.

Verbraucher:innen handeln kostenbewusst

Doch angesichts der derzeit angespannten Lage, in der Verbraucher:innen besonders kostenbewusst handeln, spielen solche Gebühren letztlich nur den großen Einzelhändlern in die Karten. Sie haben die finanzielle Kraft, die Kosten für Rücksendungen zu tragen und machen es ihren Kund:innen dadurch leicht, Produkte zurückzugeben – beispielsweise durch Partnerschaften mit lokalen Geschäften als Rückgabestellen.

Viele Verbraucher:innen werden auf kurz oder lang die Händler "aussortieren”, bei denen sie nicht die Gewissheit eines kostenlosen und unkomplizierten Rückgabeprozesses haben. Für den E-Commerce ist es daher von großer Bedeutung, einen nachhaltigen Ansatz zu finden, der den Bedürfnissen beider Seiten gerecht wird und bestenfalls sogar eine Win-Win-Situation schafft. Schnellschüsse helfen weder den Shops noch ihren Kund:innen – was es stattdessen braucht, sind Strategien, die langfristigen Erfolg versprechen und eine positive und vor allem nachhaltige Kund:innenbindung ermöglichen.

Stammkund:innen als Multiplikator nutzen

Die Kosten für die Gewinnung neuer Kund:innen sind etwa fünfmal höher als die Kosten für die Bindung jener, die schon öfter bei einem bestimmten Shop gekauft haben. Stammkund:innen sind somit ein entscheidender Erfolgsfaktor für den Einzelhandel. Umso wichtiger ist es daher, Kund:innen mit ehrlichen Kaufabsichten durch Rücksendegebühren nicht mit Betrüger:innen auf eine Stufe zu stellen – auch wenn es im ersten Moment schwierig erscheinen mag, legitime Rücksendungen von betrügerischen zu unterscheiden.

Die Macht von Stammkund:innen sollte nicht unterschätzt werden – insbesondere, wenn es darum geht, neue Kund:innen zu gewinnen. Sie fungieren als wichtiger Multiplikator und können auch andere davon überzeugen, bei einem bestimmten Shop zu bestellen. Shop-Betreiber:innen stehen vor der Herausforderung, dieser treuen Zielgruppe einen Anreiz zu bieten, um wiederholt bei ihnen zu kaufen. Die Einführung eines Kund:innenbindungsprogramms, das kostenlose Rücksendungen als Vorteil bietet, kann dabei eine entscheidende Rolle spielen. Dies steigert nicht nur den Umsatz – es festigt auch nachhaltig die Kund:innenbindung.

Datengetriebene Personalisierung als Zufriedenheits-Booster

Stammkund:innen sind nicht nur treue Käufer:innen, sondern auch eher bereit, persönliche Daten preiszugeben, wenn ihnen dadurch ein verbessertes Kauferlebnis geboten wird. Für Einzelhändler:innen bedeutet dies, dass sie Zugriff auf eine Fülle von Daten haben, die es ihnen ermöglichen, detaillierte Kund:innenprofile basierend auf Einkaufserfahrungen zu erstellen. Diese Informationen können genutzt werden, um maßgeschneiderte Einkaufserlebnisse anzubieten.

Indem Onlineshops personalisierte Empfehlungen und Angebote präsentieren, können sie sicherstellen, dass Kund:innen genau das finden, wonach sie suchen. Durch diese gezielte Vermarktung von Produkten, die den individuellen Vorlieben und Bedürfnissen der Kund:innen entsprechen, steigt die Chance, dass diese eher mit ihrem Kauf zufrieden sind – zeitgleich sinkt damit auch die Wahrscheinlichkeit von Rücksendungen.

Maßgeschneiderte Strategien für effektive Kund:innenbindung und reduzierte Rücksendungen

Mit wachsenden Ansprüchen und Erwartungen der modernen Online-Käufer:innen wird es immer wichtiger, deren Bedürfnisse zu verstehen und angemessene Lösungen anzubieten. Im Zusammenhang mit Rücksendungen spielt die gezielte Nutzung von Kund:inneninformationen eine entscheidende Rolle, um ihre Identität ganzheitlich bewerten zu können. Händler:innen können so das Risikopotenzial, das mit einer Bestellung einhergeht, anhand vergangener Einkäufe besser einschätzen. Auf dieser Grundlage können maßgeschneiderte Richtlinien entwickelt werden, die zur jeweiligen Kund:innengruppe passen.

Komplexe Themen wie Rücksenderichtlinien erfordern heutzutage jedoch nicht nur ein tieferes Verständnis der Kund:innen, sondern auch den Einsatz moderner Tools. Mittels datengetriebener Individualisierung und flexibler Regelsetzung können Händler:innen betrügerische Bestellungen identifizieren, während sie treuen Kund:innen ein positives Kauferlebnis bieten. Diese modernen Maßnahmen ermöglichen es, Kund:innen im E-Commerce besser zu verstehen und sie nicht aufgrund von zu strengen Richtlinien zu verschrecken.