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Expertenrunde diskutierte Konvergenztrends der Unternehmenskommunikation

Jetzt wächst allmählich zusammen, was zusammengehört
Gunnar Sohn | 12.12.2008
Berlin, 12. Dezember 2008, www.ne-na.de - Betrachtet man unter der Prämisse der Konvergenz die IT- und die TK-Branche als einen einzigen Sektor, lassen sich in mittlerweile rund 40 Jahren deutliche Veränderungen und erkennen, sowohl auf der Herstellerseite, im Handel, bei den Systemintegratoren und Anwendern. Die TK-Branche folgt noch deutlich später als die IT-Branche diesen Trends mit dem Wechsel von der proprietären Hardware-Architektur hin zur Software-Lösung auf Basis der IP-Vernetzung und SIP-Schnittstellen.



Die Standardisierung und die immer stärke dominierende Position der Software verbinden sich mit dem generellen Trend zum Offshoring und der zunehmenden Technologiekonkurrenz aus Asien. Hat in der IT-Welt der Trend zur Globalisierung schon vor vielen Jahren eingesetzt, zunächst mit der Produktion der Hardwarekomponenten in Asien und dann der Softwareentwicklung in Indien, so greift der gleiche Mechanismus jetzt in kürzerer Zeit auch in der konvergierenden TK-Welt. Welche Konsequenzen das für die Zukunft hat, diskutierten ITK-Experten bei einem Roundtable-Gespräch des Fachdienstes portel http://www.portel.de und des Magazins NeueNachricht http://www.ne-na.de. „Der Wandel in der TK-Branche wird deutlich schneller verlaufen, als das in der Vergangenheit der Fall war. Im Moment befinden sich die Unternehmen noch in der Findungsphase. Es gibt Firmen, die den Markt verändern, dazu zähle ich auch die Aastra, aber es ist nichts mehr so fest gefügt wie früher. Die TK-Branche hat über viele Jahre nach festgelegten Regeln gearbeitet und war recht statisch. Das löst sich auf“, sagte Andreas Latzel, Deutschlandchef von Aastra.



Die Telekommunikation, die früher ein stehender Begriff war für bestimmte Dienste wie Telefonie oder Fax, ist nach Ansicht von Matthias Roder, Managing Partner des Beratungshauses Detecon, vollkommen zerbröselt in Dienste und Netz. Letzteres im Sinne von Access und Transport. „Die Dinge haben alle nichts mehr miteinander zu tun. Die sind losgelöst voneinander. In dem Sinne gibt es die klassische TK nicht mehr.“ Viele Firmen haben nach Einschätzung der Expertenrunde für die Konvergenz von IT und TK noch keine klare Strategie. „Und das ist auch nicht verwunderlich. Es gibt eben nicht die Greenfield-Situation, ein freies Feld, wo man etwas neu aufbauen kann. Als ITK-Partner muss man den Kunden darlegen können, wie man die bestehenden Systeme modernisieren kann“, erläuterte Latzel.



Der Wandel in der Unternehmenskommunikation sei allerdings nicht mehr aufzuhalten. Nicht genug, dass die technischen Neuentwicklungen sich überstürzen. Auch die Unternehmen selbst befinden sich im Umbruch. So übernahm Aastra im Frühjahr 2008 die Geschäftskunden-Sparte von Ericsson. Die Stärken im Großkundengeschäft und in punkto Mobilität sowie Fixed-Mobile-Konvergenz, für die Ericsson steht, verbinden sich nun mit den Aastra-Kernkompetenzen als SIP-Anbieter - dem Angebot an Kommunikationslösungen und Applikationen auf Basis offener Standards. Davon würden sowohl die Vertriebspartner als auch die Endkunden profitieren. „Durch den Zusammenschluss ist das Portfolio intelligent erweitert worden. Das heißt, die Lücken des einen wurden geschlossen durch die Stärken des anderen. Aastra und der Ericsson Enterprise-Bereich verhalten sich hier komplementär. Somit ist ein abgerundetes Portfolio zustande gekommen, was letztendlich die Kundenbasis erweitert und die Marktanteile erhöht“, so Mehdi Schröder, Vice President bei Aastra und verantwortlich für Sales Development.



Angesichts des wachsenden Margendrucks in der ITK-Branche setze Aastra konsequent darauf, die Geschäftsprozesse seiner Kunden genau zu verstehen und durch passende Produkte und Lösungen zu optimieren. Was dabei alles möglich sei, zeige die Kommunikationssoftware Aastra 5000 für mittlere und große Unternehmen: extrem sichere, plattformunabhängige IP-Telefonie der zweiten Generation, die komplett auf offenen Standards wie SIP und Linux basiert. Über den Zeitpunkt für eine neue ITK-Infrastruktur müssten Firmen genau nachdenken: „Der Hauptgrund für eine Investition sollte ja sein, dass ich mit der neuen Investition Prozesse besser darstellen und Mitarbeiter entlasten kann. Hier findet der eigentliche Return-on-Investment statt. Und wenn ich das mit den Leistungsmerkmalen einer neuen Anlage sofort umsetzen kann, dann ist der richtige Zeitpunkt für eine Neuinvestition gekommen“, so Markus Rademacher, Director Global Wireless and OEM Sales von Aastra.



Arno Wilfert, Partner von PricewaterhouseCoopers, sieht auch die Hersteller in der Pflicht: „Ich glaube, die Anbieter müssten hier sehr viel stärker mit Fallbeispielen arbeiten. Sie müssen durchgerechnet werden, damit man belastbare Ergebnisse vorweisen kann – unterstützt durch Kundenbefragungen. Dann können sie sagen: Vor der Einführung dieses Systems war die Kundenzufriedenheit auf dem Niveau x, und ist nach einem halben Jahr oder einem Jahr auf das Niveau x plus 10 Prozent gestiegen.“ Häufig seien es gerade solche Zahlen, die im Entscheidungsprozeß fehlten. „Schließlich müssen sich die ITK-Verantwortlichen, wenn sie selbst innovationsfreudig sind, auch innerhalb des eigenen Unternehmens durchsetzen“, so Wilfert.



Die Kommunikation werde nach Meinung des Sprachdialogexperten Lupo Pape schon längst nicht mehr allein durch die firmeneigene Infrastruktur bestimmt. Auch übergreifende Trends und Webinnovationen könnten sich positiv auswirken. Er verweist auf das leidige Problem, dass in der Regel mehrere Versuche nötig sind, um einen Gesprächspartner ans Telefon zu bekommen: „Hier schaffen ausgefeilte Präsenzmanagementsysteme Abhilfe, aber auch die soziale Vernetzung im Internet, die weiter zunimmt. In naher Zukunft wird ein externer Gesprächspartner ebenso leicht greifbar sein wie der Kollege im Nebenzimmer. Durch diese Vernetzung in Netzwerken, Communities werde ich andere Wege finden, ihn zu erreichen, und ich werde ganz andere Wege haben, Nachrichten zu hinterlassen oder festzustellen, wann er wo erreichbar sein könnte. Ich werde vielleicht wissen, über ein GPS-Gerät, wo er erreichbar ist, ich werde wissen über eine Präsenz-Funktion, ob er erreichbar ist, ob ich ihn jetzt ansprechen kann. Somit wird die Erfolgswahrscheinlichkeit und die Intensität des Austauschs steigen“, erläuterte Pape, Geschäftsführer von SemanticEdge. So wachse in Anlehnung von Altkanzler Willy Brand allmählich zusammen, was zusammen gehört. IT und TK, Kommunikations- und Datennetze, Softwareplattformen und Endgeräte.



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Über Gunnar Sohn

Gunnar Sohn ist Freiberufler und u.a. Wirtschaftspublizist, Buchautor, Blogger, Medienberater, Moderator und Kolumnist.