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Stil - auch eine Frage der Farbe

Mit den passenden Farben können wir unser Wohlbefinden steigern, Emotionen beeinflussen, natürlich unser Aussehen verbessern oder Aufmerksamkeit erregen.
Elisabeth Motsch | 21.12.2015
Wer eine bestimmte Wirkung erzielen möchte, muss wissen, dass nicht alle Farben in jeder Situation angebracht sind.
Farben können Sie sehr bewusst und zielorientiert einsetzen, um damit bestimmte Emotionen hervorzurufen.
Dazu ist ein kurzer Einblick in die Psychologie der Farben erforderlich, um die unbewusste „Macht“ der Farben richtig zu verwenden.

Unsere Outfits betreffend können wir auf verschiedene Weise mit Farben „spielen“: Farben wirken auf unsere Gefühle, wir können unser Wohlbefinden erhöhen, indem wir bewusst durch die Farben gefühlsmäßige Zustände unterstreichen oder ausbalancieren und dadurch bei unseren Mitmenschen gewisse Reaktionen in die Wege leiten. Farben sind immer auch ein Indikator unserer eigenen Gefühlslage, um unsere Persönlichkeit zu unterstreichen und unsere Einzigartigkeit zu zeigen.

Die verschiedenen Ebenen der Farbpsychologie sind sehr nützlich, um bestimmte Wirkungen bei uns selbst und anderen zu erzielen. Finden Sie heraus, was Ihre wahrhaft passenden Farben sind, und experimentieren Sie mit ihnen. Wann immer Sie Lust darauf haben, ob im Alltag, im Job oder während Ihrer freien Zeit. Sollten Sie im Beruf strikte Dresscodes vorgegeben haben, besorgen Sie sich am besten farbige Wäsche oder Strümpfe. Und schon kommen mehr Farbe und damit ganz andere, neue Emotionen in Ihr Leben!

Wie setzen Sie nun die Farben konkret ein?
Hier stellen sich zwei voneinander unabhängige Fragen: Welche Farbe mögen Sie am liebsten? Und welche Farbe steht Ihnen am besten? Das ist nämlich durchaus nicht dasselbe. Viele Menschen flashen auf Farben ab, die absolut und punktgenau nicht zu ihrem Hautton und ihrer Haarfarbe passen. Die sie schal, grau, beige, zu rosa oder zu gelb im Gesicht erscheinen lassen. Aber, sie lieben diese Farben und tragen sie mit Begeisterung. Erst wenn man diese Menschen in anderen Farbnuancen sieht, die wahrhaftig „ihre“ Farben sind, kommt es dann in ihrem Umfeld zu einem außergewöhnlichen Aha-Erlebnis.

Da ist zum Beispiel Marie-Luise. Sie hat schwarzes Haar, blaue Augen und sehr, sehr helle Haut. Sie ist so ein richtiger Schneewittchen-Typ. Marie-Luise liebt erdige Töne. Alles was ockerfarben, currygelb oder olivgrün bis rotbraun ist, findet ihre uneingeschränkte Zustimmung. Ihr Kleiderschrank wirkt von Weitem wie der Gewürzbasar von Marrakesch, so üppig quellen Kleidungsstücke dieser Farbfamilie daraus hervor. Man benötigt nicht allzu viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass Schneewittchen und ein Gewürzbasar farblich nicht wirklich kompatibel sind.
Als Marie-Luise auf einen eleganten Ball eingeladen wird, den ihre Firma veranstaltet, benötigt sie ein neues Abendkleid und rückt mit ihrer besten Freundin zum Shoppen aus. In der gut sortierten Abendkleider-Abteilung steuert Marie-Luise routiniert und farblich seit Jahren konditioniert auf die olivfarbenen und bräunlichen Kleider zu.
Aber, dieses Mal hat sie ihre Meisterin gefunden. Denn die tüchtige Verkäuferin des Hauses, kennt die Farbenlehre und hat Marie-Luises Typ sofort definiert. Resolut steuert sie auf sie zu und legt ihr ein eisblaues und ein türkises Abendkleid in den Arm. „Probieren!“, lautet der knappe Befehl. Marie-Luise betrachtet die für sie fremden Farben skeptisch, ja fast rebellisch, zieht sich aber unter dem strengen Blick der Verkäuferin gehorsam in die Umkleidekabine zurück.
Die Freundin, die – ebenso konditioniert – gerade noch ein braungelbes Kleid aus dem Ständer zog – geht auf die Umkleidekabine zu, um Marie-Luise dieses Kleid zu reichen. Und erstarrt in der Bewegung. Marie-Luise öffnet nämlich die Tür und erscheint in dem türkisen Kleid. WER ist das, denkt sich die Freundin? Wer ist diese äußerst attraktive Dame mit der Alabasterhaut, den glänzenden blauen Augen und dem seidigen schwarzen Haar? Kenne ich die überhaupt? Wo hat die sich so lange versteckt? Auch Marie-Luise starrt fasziniert auf ihr Spiegelbild und verliebt sich auf den ersten Blick in ihr neues farbliches Ich. Bingo, denkt sich die Verkäuferin und grinst. Diese Provision hat sie sicher.

Wenn wir für uns „falsche“ Farben wählen, versinken wir darin, wir verschwinden einfach. Die gesammelte „Erdpalette“ hatte Marie-Luises wunderschöne eigene Farben erdrückt, schwammig gemacht und sie älter und viel grauer aussehen lassen, als sie ist. Ihr alle Frische genommen und sie damit als Marke fast unkenntlich und unauffällig gemacht.

Das sind extrem wichtige erste Erkenntnisse zum Thema Farbe als Stilmittel. Identifizieren und finden Sie die Farben, die wirklich zu Ihnen passen, die ihre Persönlichkeit unterstreichen und Sie gesünder, dynamischer und authentischer aussehen lassen.

Welche Farbe für welche Branche?
Die Komplexität des Themas Farben geht jedoch noch viel weiter. Denn die eigene Lieblingsfarbe sollte auch mit der Branche kompatibel sein, in der man arbeitet: Passt diese Farbe zum Arbeitgeber? Passt die Farbe zur eigenen Position? Eine Bankangestellte im Schalterdienst würde in Neon-Orange ihr Unternehmen als Markenbotschafterin nicht angemessen und seriös repräsentieren. Neon-Orange geht in diesem Fall einfach nicht. Auch wenn es zehnmal ihre Lieblingsfarbe ist.

Gewisse Branchen in Kombination mit gewissen Farben sind ein eindeutiges No-Go. Da ist zum Beispiel Günther, der Inhaber einer erfolgreichen Großwäscherei. Günther trug täglich Anzüge in verschiedenen Nuancen von Braun. Solange, bis ein Mitarbeiter sich nicht mehr helfen konnte und ihn fragte, ob das denn auch zum Image einer Wäscherei passen würde. „Chef, wir verkaufen doch Sauberkeit und braun steht nicht wirklich für sauber, meinen Sie nicht?“ Diese Aussage bescherte Günther ein absolutes Aha-Erlebnis, das hatte er nie so bedacht. Von diesem Tag an trug er nie mehr braune sondern attraktive blaue Anzüge mit hellblauen oder weißen Hemden ...

Die Farbwahl einer Person sagt sehr viel über ihre Charaktereigenschaften aus. Nur die wenigsten sind sich dieser Tatsache allerdings bewusst. Unbewusst möchte sich jeder Mensch in seinen bevorzugten Farben nach außen darstellen. Abhängig von Branchen und Unternehmen ist dies allerdings meist nicht vollkommen frei wählbar möglich. Das heißt, es ist natürlich schon möglich, aber wir müssen dann bereit sein, auch die stilmäßigen Konsequenzen zu tragen.

Mit den Signalen, die wir auf diese Weise ausstrahlen, auch zu leben und die daraus resultierenden Reaktionen zu akzeptieren.
Generell gilt: Farbe kann ein guter Ausdruck der eigenen Markenpersönlichkeit sein. Allerdings unter der Voraussetzung, zu wissen, welche Botschaften welche Farben unbewusst aussenden.
Betrachtet man die „üblichen“ Farben in den einzelnen Branchen, so gibt es eine unbewusste Farbpsychologie. Man assoziiert z. B. Banken und Versicherungen automatisch mit dunklen, gedeckten Business-Farben wie Dunkelblau, Mittelblau, Dunkelgrau und Mittelgrau, weil diese kompetent und seriös wirken. In Sozialberufen werden meist weichere, freundlichere Farben bevorzugt, um automatisch einfühlsam und locker zu wirken.

Auszug aus dem Buch "Profil mit Stil"
Von Elisabeth Motsch und Jon Christoph Berndt
Erschienen 2015 im Goldegg Verlag