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Schritt für Schritt zum Corporate Influencer

Corporate Influencer ermöglichen authentische Einblicke in den Arbeitsalltag. Worauf müssen Unternehmen bei der Umsetzung achten?
Verena Kolb | 05.09.2022
Schritt für Schritt zum Corporate Influencer © Freepik / Stockerthings
 

Der Mensch im Fokus – darum geht es beim Thema Corporate Influencer. Und das nicht ohne Grund: Menschen folgen Menschen und daher sind Markenbotschafter*innen die besten Repräsentator*innen, die sich ein Unternehmen wünschen kann. Mit Begeisterung, Authentizität und Transparenz geben sie dem eigenen Unternehmen ein Gesicht, in dem sie mit ihren Insights nicht nur potenzielle Bewerber*innen ansprechen, sondern auch die Unternehmenskultur und Arbeitsatmosphäre nach außen hin widerspiegeln.

Warum brauchen Unternehmen Corporate Influencer?

Die Implementierung eines Corporate-Influencer-Programms funktioniert nicht von heute auf morgen. Es bedarf einer Strategie, einem Ziel und vor allem auch Know-how, um ein solches Programm im eigenen Unternehmen auszubauen. Die Frage „Warum brauchen wir Corporate

Influencer?“ sollte daher vorher gut durchdacht und beantwortet sein. Geht es darum, neue Talente zu finden und Recruiting-Prozesse anzukurbeln? Das Unternehmen nach außen hin als Arbeitgeber bekannter zu machen und durch Employer Branding das Image zu verbessern? Eine Veränderung in der eigenen Unternehmenskultur anzustoßen?

Nach der Beantwortung dieser Fragen geht es im nächsten Schritt darum, die verschiedenen Gewerke innerhalb des Unternehmens mit ins Boot zu holen. Das Zusammenspiel aus Geschäftsführung, Marketing, HR und der Unternehmenskommunikation ist wichtig, denn der Corporate-Influencer-Gedanke sollte vollumfänglich gedacht und strategisch ausgerichtet sein. Geht es mehr um den Recruiting-Aspekt? Dann sollten die Markenbotschafter*innen im Bewerbungsprozess mitgedacht werden, sei es durch die Teilnahme an Bewerbungsgesprächen oder durch das Zusammenführen von potenziellen Bewerber*innen mit den zukünftigen Teams. Denn genau das weckt das Interesse der künftigen Arbeitnehmer*innen und schafft von Anfang an Authentizität.

Den passenden Schwerpunkt wählen

Nach einer ausgereiften Strategie und einem Zielbild vor Augen geht es nun darum, das Programm auch inhaltlich zu befüllen. Denn den Mitarbeitenden einfach nur zu kommunizieren, dass sie nun auf den sozialen Medien über ihren Arbeitsalltag kommunizieren können (oder sollen), hinterlässt bei allen Beteiligten offene Fragen und im schlimmsten Fall Unmut in der Belegschaft.

Bei OTTO haben wir bereits 2017 ein Jobbotschafter*innen-Programm [1] ins Leben gerufen, das die Corporate Influencer auf ihrem Weg unterstützt und leitet. Und da es auch im Markenbotschafter*innen-Kosmos keine „one-size-fits-all“-Lösung gibt und alle Kolleg*innen ihren persönlichen Vorlieben und Stärken nachgehen sollten, bietet das Programm mittlerweile vier Module, welche unterschiedliche Schwerpunkte und Ziele verfolgen. Bei den vier Modulen handelt es sich um:

 

  • Social-Media-Insider: Hier steht die persönliche Sicht der Kolleg*innen auf Social Media – sei es auf LinkedIn, Instagram oder Twitter – im Vordergrund. Wer gerne Content in einem beruflichen Kontext teilt oder Geschichten aus dem Arbeitsalltag erzählt, ist hier genau richtig.
  • Networker: Egal, ob auf Jobmessen, Networking-Events oder kleineren Meet-ups: Networker haben Spaß am persönlichen Austausch und können andere für die eigene Arbeit begeistern.
  • Speaker & Writer: Mit der fachlichen Expertise im Fokus können sich Kolleg*innen in diesem Profil mit Vorträgen auf Fachkonferenzen oder Meet-ups, Blog-Artikeln oder Interview- Gesprächen mit Fachmedien engagieren und ihr Know-how mit der Fach-Community teilen.
  • Co-Recruiter: Das zukünftige Team mitgestalten und interessante Talente während des Bewerbungsprozesses zu unterstützen, darum geht es im Jobprofil der oder des Co- Recruiters.

 

Je nach Schwerpunkt können die Kolleg*innen in den spezifischen Profilen gezielt mit Trainings und Teilnahmemöglichkeiten unterstützt werden. Das Wichtigste dabei: Egal, für welches Engagement sich entschieden wird – es ist immer freiwillig und gilt als Arbeitszeit.

Das Erfolgsrezept: Eine Mischung aus Vertrauen und Authentizität

Um nach außen hin echt und authentisch zu kommunizieren, sollte das Corporate-Influencer-Programm auf einer auf Vertrauen basierenden Unternehmenskultur aufbauen. Denn nur, wenn die Mitarbeitenden wirklich von ihrem Arbeitgeber überzeugt sind, können sie auch positiv von ihrem Joballtag berichten. Gibt die eigene Jobkultur diese Inhalte nicht wieder, schafft es kein*e Markenbotschafter*in, so gut er oder sie auch sein mag, authentisch nach außen zu kommunizieren.

Vertrauen sollte auch bei den Inhalten eine Rolle spielen. Die Corporate Influencer sollten frei und unabhängig kommunizieren können. Guidelines können einen verbindlichen Rahmen schaffen, eine strikte Überprüfung kann jedoch kontraproduktiv wirken, denn gerade Freiräume machen den entscheidenden Unterschied in der Kommunikation der Markenbotschafter*innen.

Und last but not least: Nicht jeder Mitarbeitende ist dafür gemacht und hat Lust, neben dem eigentlichen Job das eigene Unternehmen zu repräsentieren. Und das ist vollkommen in Ordnung. Ganz nach dem Motto: Alle können, niemand muss.

 

[1] https://www.otto.de/newsroom/de/kultur/corporate-influencer-programm-bei-otto-die-jobbotschafter-innen

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Über Verena Kolb

Kommentare

Joachim Rumohr

In meinen LinkedIn-Seminaren habe ich oft Teilnehmer, die durchaus erkannt haben, wie wichtig eine gute Sichtbarkeit für das Unternehmen und die eigene Personenmarke ist. Sie sind daher auch motiviert aktiv zu werden. Doch vielen fehlen die Ideen für entsprechende Postings und Beiträge. Ich empfehle dann stets diesen Mitarbeitern Unterstützung vom Marketing zu geben. Auf den Unternehmensprofilen von LinkedIn gibt es dafür einen eigenen Bereich. In diesem kann man Beiträge zum posten für die Mitarbeiter bereitstellen. Sie können diese dann bei Bedarf anpassen und für eigene Postings nutzen.

Karsten Kilian

Alle Mitarbeitenden sind Markenbotschafter, aber nicht alle Mitarbeitenden sind Corporate Influencer, die ich gerne als Intensiv-Markenbotschafter bezeichne. Jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin repräsentiert auch ungefragt des eigenen Unternehmens, qua Arbeitsvertrag. Corporate Influencer gehen darüber hinaus. Sie handeln aus ihrer inneren Überzeugung heraus und  präsentieren das eigene Unternehmen ganz aktiv nach außen - und auch nach  innen.

Winfried Ebner

Corporate Influencer mit hoher Selbstwirksamkeit und Gestaltungsspielraum können Transformatoren der Organisation werden. Sie sind dann nicht nur Stachel im Fleisch, sondern aktive Mitgestalter:innen der Veränderungen in ihrer Organisation – mit dem Menschen im Mittel des Handelns. Denn wenn alle nur einfach „abgeholt werden“, dann ist keiner mehr da.

Stefanie Söhnchen

Authentizität fällt vielen Senior-Executives nicht leicht. In Deutschland gilt erst einmal: Nur Fachlich-Sachliches ist wertig. Doch Fachinformationen finden Leser:innen überall – Menschen folgen Menschen. Persönlichkeiten. Und Persönlichkeit wird sichtbar, wenn ich andere „reinlasse“ – durch Meinung, durch Einblicke ins Leben, durch Mut unperfekt zu sein. Wer das schafft, baut digitale Beziehungen auf.

Alex Wunschel

Bei der wachsenden Bedeutung von Corporate Influencern darf die Auswahl der richtigen Kanäle und Plattformen nicht vergessen werden. Der Trend zu akustischer Markenführung, Podcast und Live-Formaten geht im aktuellen Fokus auf LinkedIn-Posts und Interaktionen leider zu sehr unter. Und hier sei nicht nur die richtige technische Ausstattung erwähnt, sondern auch der korrekte Umgang damit.

Carmen Hillebrand

Beim Aufbau von Corporate Ambassador Programmen sind meiner Meinung nach Workshops sehr wichtig, die beim Aufbau der eigenen Personenmarke helfen. Denn viele Menschen, wissen gar nicht, wo sie anfangen sollen. Über was sie schreiben sollen. Fragen wie „für was würdest du nachts aufstehen?“ helfen oft im ersten Schritt, Leidenschaften und Themen klarer zu definieren.