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Deutsche Messen bleiben 2008 auf Wachstumskurs

Für 2009 Abschwächung der Messekonjunktur erwartet / AUMA-MesseTrend 2009: Persönliche Kommunikation gewinnt Marktanteil
Trotz deutlich abgeschwächter Konjunktur sind die deutschen Messen
im Jahr 2008 noch auf Wachstumskurs. Die 153 überregionalen
Messen verzeichnen nach ersten Berechnungen des AUMA rund
2 % mehr Aussteller und Besucher als die jeweiligen Vorveranstaltungen;
die vermietete Fläche wächst um 1,5 %. Das ist zwar weniger
Wachstum als im Vorjahr, aber wir können angesichts der
schwierigen Rahmenbedingungen zufrieden sein, betonte Hans-
Joachim Boekstegers, Vorsitzender des AUMA_Ausstellungs- und
Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft im Herbst-
Pressegespräch des Verbandes am 18. November 2008 in Berlin.

Insgesamt rechnet der AUMA auf den überregionalen Messen des
Jahres 2008 mit 179.000 Ausstellern, 10,3 Millionen Besuchern
und knapp 7 Millionen m² vermieteter Fläche.

Noch 2007 wurden 3,8 % mehr Aussteller und sogar 4,6 % mehr
Standfläche registriert. Der schon vor einem Jahr erkennbare Konjunkturabschwung
hat die Unternehmen aber zu vorsichtigeren
Messeplanungen veranlasst. Unmittelbare Auswirkungen der
schweren Verluste an den Aktienmärkten auf die Messewirtschaft
hat es nicht gegeben. Die Vertrauenskrise in der Finanzwirtschaft
beginne aber, so der AUMA-Vorsitzende, auf die Realwirtschaft und
damit auch auf die Messewirtschaft überzugreifen.

Boekstegers: „Einem möglichen Vertrauensverlust begegnet man
am besten durch Präsenz, durch Kommunikation und durch Demonstration
der eigenen Qualitäten, und dies sind geradezu die
klassischen Funktionen einer Messebeteiligung.“ Natürlich müssten
die Firmen im Konjunkturabschwung sparen. Die meisten dürften
aber klug genug sein, die Messepräsenz nicht wesentlich einzuschränken,
denn es gehe ja gerade darum, das Geschäft zu stabilisieren
durch Bindung der bestehenden Kunden und Gewinnung
neuer Kunden.

Sicherlich werde 2009 auch die Messekonjunktur gebremst werden,
vor allem im zweiten Halbjahr. Auf das ganze Jahr gerechnet, sollte
aber ein konstantes Ergebnis erreichbar sein. Denn viele Stände für
das 1. Halbjahr 2009 seien bereits gebucht, und die Veranstalter
registrierten bisher allenfalls in Einzelfällen Stornierungen. Darüber
hinaus werde aber die ausstellende Wirtschaft ihre Beteiligungen
kritischer unter die Lupe nehmen.

Die gegenwärtige Situation sei aber nicht vergleichbar mit dem
scharfen Abschwung der Messewirtschaft von 2001 auf 2002. Damals
seien nach dem Ende des New-Economy-Booms zahlreiche
Firmen vom Markt verschwunden. Dadurch sei das Ausstellerpotential
damals sehr kurzfristig deutlich geschrumpft. Das sei heute
nicht absehbar, selbst wenn die Zahl der Konkurse steigen sollte.

Angesichts der aktuellen restriktiven Kreditvergabe sei es auch hilfreich,
dass die meisten Messeplätze nicht vor größeren Investitionsprojekten
stünden.

Boekstegers begrüßte, dass die Veranstalter gegenwärtig schneller
als früher ihr Portfolio bereinigen, wenn einzelne Messen Verlustbringer
sind. Der AUMA-Vorsitzende: „Es ist durchaus im Sinne
der ausstellenden Wirtschaft, wenn Messen aus dem Markt genommen
werden, die nicht mehr den aktuellen Anforderungen genügen.
Auch Messen haben Lebenszyklen, wie andere Produkte auch. Und die Aussteller und ihre Verbände können solche Bereinigungsprozesse
noch unterstützen, wenn sie sich zu klaren Entscheidungen
für oder gegen einzelne Projekte durchringen.“

AUMA-MesseTrend 2009

Die deutschen ausstellenden Unternehmen im Business-to-
Business-Sektor wollen 2009 und 2010 erneut rund 40 % ihrer
Kommunikations-Etats in Messen investieren. Das ist Ergebnis des
AUMA-MesseTrend, einer repräsentativen Befragung von 500 deutschen
Ausstellern zwischen dem 30. September und dem 20. Oktober
2008.

Im Vergleich der Kommunikationsinstrumente haben Messen in
den letzten Jahren gegenüber mehreren anderen Instrumenten
Marktanteile gewonnen. Für ausstellende Unternehmen haben
Werbung in Fachzeitschriften und Direct Mailing deutlich an Relevanz
verloren. Während 2004 noch 59 % der Aussteller Anzeigen
für wichtig oder sehr wichtig hielten, waren es 2008 nur noch 49 %,
beim Direct Mailing waren es 2004 noch 62 %, 2008 nur noch
53 %.

Der Außendienst ist mit rund 75 % stabil geblieben. Messen werden
heute von 81 % als wichtig oder sehr wichtig eingeschätzt (2004:
76 %). Der richtige Dialog von Mensch zu Mensch, so der AUMAVorsitzende, hat also jedenfalls im B-to-B-Sektor noch an Bedeutung
gewonnen.

Von den deutschen Ausstellern wollen 34 % ihre Messeaufwendungen
erhöhen und nur 19 % senken. Als Begründung wurden aber
sehr häufig, bedingt vor allem durch stark steigende Energie- und
Rohstoffpreise, höhere Kosten der Beteiligungen genannt. Vor allem
Investitionsgüteraussteller wollen mehr Geld für Messen aufwenden:
39 % wollen die Budgets erhöhen und 20 % senken. Außerdem
wollen größere Unternehmen ihre Messebudgets stärker ausbauen
als kleinere Firmen.

Insgesamt wollen die ausstellenden Unternehmen in den Jahren
2009 und 2010 zusammen 384.000 € für Messebeteiligungen ausgeben,
das sind knapp 1 % mehr als in den beiden letzten Jahren.
Sowohl bisher wie auch künftig geben die Unternehmen 80 % der
Budgets für Inlandsbeteiligungen aus.

Gemessen an der Zahl der Beteiligungen wird jedoch die Inlandspräsenz
leicht zurückgefahren: 16 % planen mehr Beteiligungen in
Deutschland, 18 % weniger. Boekstegers: „Vor allem Konsumgüteraussteller wollen künftig stärker auf Auslandsmessen setzen. Allerdings haben sie auf diesem Gebiet noch Nachholbedarf. Konsumgüteraussteller organisieren bisher 80 % ihrer Beteiligungen im Inland, bei Investitionsgüterausstellern sind es nur 50 %“.

Mittelfristig konstante Bedeutung von Messen

In der Fünf-Jahres-Perspektive sehen 18 % der ausstellenden Unternehmen für sich eine höhere Bedeutung von Messen, 19 % eine
geringere, 63 % sehen keine Veränderung. Allerdings sehen über
21 % der Investitionsgüteraussteller die Bedeutung steigen, nur
17 % sinken. Bei den Konsumgüterausstellern ist das Ergebnis deutlich
anders: Nur 14 % rechnen mit wachsender Bedeutung von Messen,
aber 24 % mit sinkender Relevanz. 2,5 % wollen auf Messen
ganz verzichten.

Der AUMA-Vorsitzende: „Das ist ein deutliches Signal an die Veranstalter,
über neue Konzepte für Konsumgütermessen nachzudenken
und den Dialog mit den Ausstellern in strategischen Fragen zu
intensivieren.“

Mittelfristig werde es im Konsumgütersektor noch manche Veränderung
geben. Das müssten nicht Absagen sein, aber die Konzentration
von Messen auf engere Angebotsbereiche oder Zielgruppen
dürfte eher zunehmen.

Auslandsmesseprogramm 2009

Der Geschäftsführer des AUMA, Dr. Peter Neven, betonte, das Auslandsmesseprogramm des Bundes, mit dem deutsche Aussteller bei
der Erschließung von Auslandsmärkten unterstützt werden, gehe
2009 in sein 60. Jahr.

Der Etat sei nun zum zweiten Mal in Folge um jeweils 1 Mio. Euro
erhöht worden und liegt für 2009 bei 38 Mio. Euro. Dr. Neven: „Offensichtlich ist im Bundestag das Bewusstsein dafür gestiegen, dass der Export kein Selbstläufer ist, sondern gezielt unterstützt werden
muss. Gerade wegen der verschlechterten Konjunkturlage müssen
die Unternehmen auf ein möglichst breites Absatzspektrum setzen.
Denn so können sie ihre Chancen erhöhen und gleichzeitig die Risiken
breiter streuen.“

Im Jahr 2009 wird das Bundesministerium für Wirtschaft und
Technologie auf 276 Auslandsmessen auf allen Kontinenten vertreten
sein. Wichtigstes Ziel-Land ist erstmals Russland, das China von
seiner Spitzenreiter-Position ablöst. Von den Beteiligungen des
BMWi werden im nächsten Jahr 51 in Russland durchgeführt; für
2008 sind es 44. Dagegen sind die Beteiligungen in China leicht
rückläufig. Denn die deutsche Wirtschaft sieht in Osteuropa eine
noch größere Notwendigkeit, Firmen organisatorisch und finanziell
zu unterstützen. So werden auch in der Ukraine deutlich mehr
Messebeteiligungen unterstützt: 14 nach 8 für 2008. Auch in Indien
werden mit 18 Beteiligungen drei mehr stattfinden. Konstant ist die
Position der Vereinigten Arabischen Emirate mit 29 Beteiligungen.

Die wichtigste Region im Auslandsmesseprogramm ist weiterhin
Süd-, Ost- und Zentralasien mit 108 Beteiligungen, gefolgt von den
europäischen Nicht-EU-Staaten.

Höhepunkt des Auslandsmesseprogramms 2010 wird die Sonderveranstaltung German Living sein, eine Präsentation hochwertiger
deutscher Konsumgüter innerhalb der Messe Interior Lifestyle, die im Herbst in Shanghai stattfindet. Eine ähnliche Veranstaltung hat
es bereits 2005 in Tokio gegeben.

Inlandsförderprogramm für junge Unternehmen

Das Förderprogramm des Bundeswirtschaftsministeriums für junge
innovative Unternehmen auf Messen in Deutschland hat sein erstes
komplettes Geschäftsjahr fast beendet. Im Jahr 2008 beteiligen sich
voraussichtlich rund 400 Firmen an insgesamt 37 Gemeinschaftsständen.
Die Resonanz auf das Förderprogramm ist fast ausnahmslos
positiv. Viele Firmen hätten sich aufgrund ihrer geringen Größe
und der begrenzten Mittel gar nicht an diesen Messen beteiligen
können. Der AUMA-Geschäftsführer: „Offensichtlich machen die
Firmen durch dieses Programm wichtige Schritte bei der internationalen
Vermarktung innovativer Produkte.“ Im Programm 2009
werden nach heutigem Stand rund 45 Messen in Deutschland enthalten
sein. Die Mittel für 2008 betragen 2,5 Mio. Euro; für 2009
stehen 3 Mio. Euro zur Verfügung.

AUMA lässt gesamtwirtschaftliche Bedeutung von Messen
untersuchen

Der AUMA hat das Ifo-Institut mit einer Studie zu den gesamtwirtschaftlichen
Wirkungen von Messebeteiligungen beauftragt. Die
letzte vergleichbare Studie wurde vor fast zehn Jahren fertig gestellt.
Ermittelt werden sollen die direkten Aufwendungen der Aussteller
und Besucher, die gesamtwirtschaftlichen Produktions- und Beschäftigungseffekte
und die Kostenstruktur von Messebeteiligungen
in Deutschland. Darüber hinaus plant der AUMA für 2009 eine
Untersuchung zum Beteiligungsverhalten deutscher Aussteller bei
publikumsorientierten Messen.


Pressekontakt:
Harald Kötter, Telefon: 030/24 000-140
Fax: 030/24 000-340, E-Mail: h.koetter@auma.de
Über AUMA Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Dt. Wirtschaft e.V.

Der AUMA - Verband der deutschen Messewirtschaft vertritt und stärkt die Interessen von Ausstellern, Veranstaltern, Serviceunternehmen und Besuchern.